Dr. Klaus-Dieter Rack: 1250 Jahre Dorheim
Vortrag beim Friedberger Geschichtsverein: 1250 Jahre Dorheim.
Dorheim begeht in diesem Jahr die 1250ste Wiederkehr der Ersterwähnung des Ortes. Dies nahm der Friedberger Geschichtsverein zum Anlass, einen kompetenten Kenner Dorheims um einen Vortrag zu diesem Thema zu bitten. Dafür eignet sich kaum jemand besser als Dr. Klaus-Dieter Rack, Ortsvorsteher und als Historiker ausgewiesener Kenner der Geschichte Dorheims. Bei der Vortragsveranstaltung war deshalb das Bibliothekszentrum im Klosterbau bis auf den letzten Platz gefüllt.
Im Wesentlichen befasste sich Dr. Rack mit den anstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten, kam dabei aber immer wieder auf Ereignisse der Ortsgeschichte zu sprechen. Einleitend hob er hervor, dass die Friedberger Stadtteile eine weitaus ältere Historie als die Kernstadt haben, nach den urkundlichen Ersterwähnungen Dorheim jedoch die älteste dieser Ortschaften ist. Er zitierte dazu aus der im Lorscher Codex dokumentierten Schenkung, laut derer die Töchter Rechilt und Eufemia des rupertinischen Grafen Cancor dem Kloster Lorsch am 19. Juli und 26. August 775 zu ihrem Seelenheil Güter in der „doricheimer marca“ übertrugen. Da das erste Datum in die Sommerferien fällt, wurde das Jubiläumsfest auf den 27. bis 29. Juni angesetzt. Dr. Rack berichtete von den umfangreichen Vorbereitungen, deren Organisation in den Händen eines eigens gegründeten Vereins liegt. Für das umfangreich beworbene Ereignis konnte eine Reihe von Sponsoren gewonnen werden. Das Programm sieht am 27. Juni einen Kommersabend vor, an dem anstelle eines Festvortrages Szenen aus der Ortsgeschichte gespielt werden: Neben der Schenkung an das Kloster Lorsch soll es unter anderem um Dorheim als Sitz des kaiserlichen Wassergerichts gehen, das die Obrigkeit über die Gewässer der Wetterau bis zum Main ausübte, oder um die Flucht Georg Büchners nach Straßburg im Jahre 1835, als er in Dorheim Unterschlupf fand.
Als weitere Programmpunkte nannte Dr. Rack den Auftritt der Traditionsmannschaft von Eintracht Frankfurt, ein Weindorf, in dem der speziell hergestellte „Dorsecco“ ausgeschenkt werden soll, und einen kulinarischen Biergarten im Schlossbereich. In Ausstellungen wird an vergangene Zeiten Dorheims erinnert, so mit der Einrichtung des Schulsaals in der Kita Rappelkiste, mit dem Werkzeug der ehemaligen Schmiede, mit altem Hausrat und Gartengerät sowie mit der Präsentation landwirtschaftlichen Gerätes im Wirtschaftshof des Schlosses. Präsentiert werden der Münzschatz aus dem 17. Jahrhundert und weitere archäologische Funde, die beim Bau des Bürgerhauses und der Umgehungsstraße entdeckt worden waren. Im Kirchhof werden Gemälde und Zeichnungen mit Ansichten aus dem Dorfleben zu bewundern sein. Darbietungen wird es ferner in circa 40 Höfen geben. Höhepunkt soll der stehende Festzug am 29. Juni werden.
Zur jüngeren Geschichte Dorheims wies Dr. Rack auf die Eingliederungsprobleme hin, die sich nach Kriegsende mit dem Eintreffen sudetendeutscher Flüchtlinge ergaben. Glücklicherweise siedelte das amerikanische Militär seine zentrale Wäscherei in Dorheim an, wo die Zugezogenen genügend Arbeitsstellen fanden. Nach dem instruktiv bebilderten und mit viel Beifall bedachten Vortrag ging Dr. Rack auf Nachfrage noch kurz auf Dorheim als Bergbauort ein. Als Dorheim von 1810 bis 1816 kurzzeitig nicht zu Kurhessen, sondern zum Großherzogtum Darmstadt gehörte, wurde mit dem Braunkohleabbau begonnen, der allerdings in den 1870er Jahren wieder endete, da die Qualität der Braunkohle nicht mehr ausreichte.
An die Vortragsveranstaltung schloss sich die jährliche Mitgliederversammlung des Friedberger Geschichtsvereins an. Gemäß den Berichten des Vorsitzenden, Lothar Kreuzer, und des Schatzmeisters, Fritz-Hartmut Ulrich, betätigte sich der Verein in vielfältiger Weise durch Studienfahrten, Vortragsreihen oder die Öffnung des Adolfsturms, finanziell befindet er sich in geordneten Verhältnissen. Neuwahlen des Vorstandes standen in diesem Jahr nicht an, stattdessen war über eine Erhöhung des über zwei Jahrzehnte unveränderten Mitgliedsbeitrags zu befinden. Sie ist notwendig geworden, weil sich vor allem der Druck der Wetterauer Geschichtsblätter erheblich verteuert hat. Die Mitglieder stimmten dem einhellig zu. Lothar Kreuzer wies zudem darauf hin, dass noch Plätze für die viertägigen Studienfahrten ins bayerische Schwaben (15. bis 18. Mai bzw. 28. bis 31. August 2025) sowie für die Tagesfahrt nach Osthessen (21. Juni 2025) frei sind.
Reinhard Schartl
Wetterauer Zeitung, 27. Februar 2025