Studienfahrt des Friedberger Geschichtsvereins ins bayerische Schwaben und das Wittelsbacher Land
Die diesjährige viertägige Studienfahrt des Friedberger Geschichtsvereins führte unter der Leitung von Lothar Kreuzer ins bayerische Schwaben und das angrenzende Wittelsbacher Land.
Wie Mitorganisator Achim Meisinger erläuterte, hat sich das Molassebecken im nördlichen Alpenvorland vor etwa 30 Mio. Jahren als eine außerordentlich sanfte und hügelige Landschaft aus weichen Sedimentgesteinen (lat. mollis = weich) entwickelt. Während der vier Eiszeiten, vor 2 Mio. bis 11 000 Jahren, wurde die bis in 1000 m Höhe reichende Oberfläche glazial überprägt, wodurch eindrucksvolle Endmoränenwälle entstanden sind.
Am ersten Tag der Studienfahrt ging es um die bayerische Herrscherdynastie der Wittelsbacher, die seit 1116 in der Burg Wittelsbach im heutigen Aichach-Oberwittelsbach residierten. Die Burg wurde allerdings schon 1208 zerstört. Erster Programmpunkt war die Besichtigung des kleinen Wasserschlosses Unterwittelsbach, das der einer Wittelsbacher Nebenlinie entstammende Herzog Max in Bayern 1838 erwarb. Dort wuchs seine viel bekanntere Tochter Elisabeth auf, „Sisi“, die spätere Kaiserin von Österreich. Sie weilte 1898 zu einer Kur in Bad Nauheim, kurz bevor sie in Genf einem Attentat zum Opfer fiel. Am Nachmittag besuchte die Friedberger Gruppe das von den Wittelsbachern um 1550 anstelle einer zerstörten mittelalterlichen Burg erbaute Schloss im benachbarten „anderen“ Friedberg, dem „bei Augsburg“. Das Schloss zeigt in einer Dauerausstellung unter anderem die Arbeitsweise und die beeindruckenden Erzeugnisse der Friedberger Uhrmacher im 17. und 18. Jahrhundert.
Am nächsten Tag stand Landsberg am Lech auf dem Programm, das gleichfalls zum Wittelsbacher Herrschaftsgebiet gehörte und durch den Salzhandel groß wurde. Die Stadtbefestigung mit dem 1425 errichteten prächtigen Bayertor ist bis heute gut erhalten. Bei keiner Mehrtagesexkursion des Geschichtsvereins sollte eine romanische Basilika fehlen. Das um 1200 entstandene Gotteshaus St. Michael in Altenstadt bei Schongau zeichnet sich im Unterschied zu den reich dekorierten Barockkirchen durch seine Nüchternheit aus. Nach eingehender Besichtigung ging es auf den höchsten Punkt der Studienfahrt, den südwestlich gelegenen Auerberg (1055 m). Von dort bot sich ein eindrucksvoller Blick auf die Alpen. Die letzte Station dieses Tages war zugleich das südlichste Ziel des Programms: die barocke Wieskirche, 1746 bis 1754 erbaut und ausgestattet von den Brüdern Dominikus und Johann Baptist Zimmermann.
Am dritten Tag besuchte die Gruppe Augsburg, das als freie Reichsstadt erst 1805 an Bayern fiel. In der drittgrößten Stadt Bayerns, Geburtsstadt Bertolt Brechts, gibt es erheblich mehr zu sehen, als an einem Tag bewältigt werden kann, so dass sich das Programm auf einige Höhepunkte konzentrierte. Dazu gehörte das neue Fugger- und Welser-Museum, das über das Wirtschaften und den sozialen Aufstieg der beiden für die Stadtgeschichte herausragenden Familien informiert. Es folgte die Erkundung des romanisch-gotischen Doms Mariae Heimsuchung und der zum Karmeliterkloster gehörenden Pfarrkirche St. Anna mit der Grablege der Fugger, wo Martin Luther 1518 wohnte, als er sich gegenüber Kardinal Cajetan weigerte, seine Thesen zu widerrufen. Daran schloss sich ein Rundgang durch die Fuggerei an, dem von Jakob Fugger 1521 gestifteten Wohnviertel für bedürftige Familien. Besonderen Anklang fand der Besuch des Museums der Augsburger Puppenkiste, das Erinnerungen an die eigene Kindheit und Jugend weckte. Der Schlusstag begann mit einer Führung durch Kaufbeuren. Die ehemalige Reichs- und seit 1806 bayerische Stadt, vielen Wetterauern als langjähriger Gegner der Bad Nauheimer Eishockeymannschaft bekannt, hat eine bemerkenswerte Historie zu bieten mit Zunfthäusern oder dem ehemaligen Franziskanerinnenkloster, in das 1703 die in Kaufbeuren geborene und 2001 heiliggesprochene Crescentia Höß eintrat. Beeindruckend ist die Anlage der Benediktinerabtei Ottobeuren, wo die Friedberger Gruppe die Ankunft der diesjährigen Portugiesen-Wallfahrt miterleben konnte. Die Abtei ragt nicht allein wegen ihrer imposanten spätbarocken Basilika mit den beiden 82 m hohen Türmen heraus, sondern auch wegen des Museums, das die Besucher über die Grundsätze des Klosterlebens und die Ordensgeschichte informiert. Zum Schluss machten die Friedberger in Günzburg Station, das von 1301 an über fünf Jahrhunderte unter der Herrschaft der Habsburger stand und ebenfalls 1806 an Bayern fiel.
Für den 28. bis 31. August ist eine Wiederholung der Studienfahrt vorgesehen, für die noch Anmeldungen möglich sind unter Friedberger-Geschichtsverein@gmx.de.
Reinhard Schartl
Vgl. Wetterauer Zeitung 24.05.2025