Museumsfahrt Trier
Friedberger Geschichtsverein besucht Marc-Aurel-Ausstellungen in Trier
Die letzte Tagesexkursion dieses Jahres führte den Friedberger Geschichtsverein unter Leitung des Vorsitzenden Lothar Kreuzer nach Trier. Dort sind zwei Ausstellungen im Rheinischen Landesmuseum und im Stadtmuseum Simeonstift dem römischen Kaiser Marc Aurel gewidmet. Der Herrscher lebte von 121 bis 180 n. Chr. und kam 161, wie es bereits in vorangegangenen Generationen praktiziert worden war, durch Adoption auf den Kaiserthron: Kaiser Hadrian, gestorben 138 n. Chr., hatte seine Nachfolge durch vorausbestimmte Adoptionen geregelt. Im Vergleich zu seinen Vorgängern und Nachfolgern gilt Marc Aurel als „guter“ Kaiser, als „Weiser“ und „Philosoph auf dem Kaiserthron“. Während seiner Amtszeit unternahm er allerdings mehrere Kriegszüge, unter anderem gegen die Markomannen, was er indes nach eigenem Bekunden aus Pflichttreue gegenüber dem Staat und entgegen seiner Neigung vollzogen habe. Neben diesen Unternehmungen und den übrigen, vielseitigen Staatsgeschäften befasste er sich mit philosophischen Selbstbetrachtungen, die ihn als Anhänger der in Griechenland begründeten Stoa (von Ethik, Vernunft und Pflichtbewusstsein geleitete Welt- und Selbstsicht) ausweisen. Sein Interesse galt Bildung und Wissenschaft.
Trier als römische Provinzhauptstadt erlebte zu Zeiten Marc Aurels wie das römische Reich insgesamt eine Blütezeit. In dieser Periode entstand unter anderem die monumentale Porta Nigra (175 n. Chr.), das größte Stadttor Europas. Bereits im 3. Jahrhundert wurde Trier Bischofssitz und im Mittelalter Sitz des Erzbistums. Nach dem Ende des weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert verlor die Stadt allmählich an Bedeutung.
Die Friedberger Gruppe besuchte zunächst die Ausstellung im Landesmuseum. Hier wurde sie in einer Führung über das zweite nachchristliche Jahrhundert und insbesondere Marc Aurels gut dokumentiertes Leben und Wirken informiert. Zahlreiche Ausstellungsstücke, zum Teil aus vielen europäischen Museen ausgeliehen, zeigen Büsten des Kaisers und der für seine Biografie bedeutsamen Personen, andere Exponate illustrierten die Lebensverhältnisse dieser Zeit.
Im Stadtmuseum Simeonstift erfuhren die Exkursionsteilnehmer in einer teils interaktiven Präsentation Näheres über Marc Aurels berühmte Schrift mit dem deutschen Titel „Selbstbetrachtungen“. Neben der Ausstellung zahlreicher gedruckter Ausgaben seit dem 15. Jahrhundert geht die Ausstellung deren Nachwirkung unter der Fragestellung nach gerechter Herrschaft nach. Gemälde aller Epochen der Neuzeit mit Allegorien der „guten, gerechten“ und der „schlechten, ungerechten“ Herrschaft, Skulpturen, Karikaturen und Medien aus acht Jahrhunderten beleuchten das Thema als eine faszinierende Konstante der Menschheitsgeschichte.
Nach dem morgendlichen Überblick über die Stadt vom Petrisberg aus erfolgte zwischen den Museumsbesuchen ein Stadtrundgang durch Trier, bei dem Lothar Kreuzer die erhaltenen baulichen Zeugnisse dieser Hauptstadt des weströmischen Reiches (auch als Roma secunda = zweites Rom bezeichnet) erläuterte, wie die Porta Nigra, die Kaiserthermen und die Konstantin-Basilika, aber auch die Bauwerke aus dem Mittelalter, wie den Dom, die unmittelbar angrenzende Liebfrauenkirche, das 958 errichtete Marktkreuz und das fast 800 Jahre alte Dreikönigshaus, oder den in der Neuzeit errichteten Petrusbrunnen.
Der Geschichtsverein setzt sein Herbstprogramm am 16. Oktober 2025 um 20 Uhr im Bibliothekszentrum Klosterbau mit einem Vortrag von Vorstandsmitglied Malte Dücker zu „500 Jahre Bauernkrieg – die Sprengkraft der Ungleichheit“ fort.
Reinhard Schartl
Vgl. Wetterauer Zeitung 30.09.2025