Dr. Jörg Lindenthal, Marcus Jae: Neues von der Kreisarchäologie

Erstes Friedberger Kaufhaus um 1219

Wenn der Friedberger Geschichtsverein im Rahmen seiner Vorträge Themen zur Archäologie in der Wetterau behandelt, dann darf er immer mit einem vollen Haus rechnen. So war es auch am vergangenen Donnerstag als Kreisarchäologe, Dr. Jörg Lindenthal und sein Mitarbeiter, Marcus Jae im Klosterbau sprachen. Dass die Wetterau und Friedberg zu jeder Zeitstellung immer wieder besondere Funde bei Ausgrabungen zu bieten haben, wurde auch an diesem Abend deutlich.

Die Referenten des Abends, Kreis-Archäologe Dr. Jörg Lindenthal ( li.) und Marcus Jae ( re.). Foto: Achim Meisinger

Einleitend ging Dr. Lindenthal kurz auf die römische Präsenz auf dem Burgberg und innerhalb der Stadt Friedberg ein. Besonders die innerhalb des römischen Vicus auf dem heutigen Elvis Presley Platz gelegenen römische Streifenhäuser waren Gegenstand intensiver Untersuchungen. Mit dem Fall des Limes um 260 n.Chr. entwickelte sich aus der römischen Trümmerlandschaft schnell eine Ansiedlung einer alemannischen Bevölkerung innerhalb der ehemaligen Stadtgrenzen. Die Tatsache, dass die noch vorhandenen Römerstraßen genutzt wurden, förderte auf Grund der verkehrsgünstigen Lage die weitere Entwicklung Friedbergs. Bereits 1245 wurde die Kaiserstraße als „Breite Straße“ urkundlich erstmals erwähnt. Schon damals gab es auf dieser Straße bereits eine historische Häuserfront, wobei es sich nicht um Privathäuser, sondern um Funktionsgebäude der Stadt handelte. Bei den Ausgrabungen am Elvis Presley Platz wurde ein relativ großer Gebäudekomplex aufgedeckt, der als erstes Kaufhaus der Stadt für das Jahr 1219 datiert wurde. Vergleiche zu einem ähnlichen Kaufhaus in Stendal belegen, so Dr. Lindenthal, diese Vermutung. Bei den jetzt stattfindenden Ausgrabungen auf der Rückseite des Kaufhauses Joh wurden zahlreiche mittelalterliche Gruben gefunden, die auf eine mittelalterliche Schmiede hinweisen. Interessant sind auch Reste von Ofenkacheln, auf denen Darstellungen von Drachen, Vögeln und Fabelwesen abgebildet sind. Sie können auf das 14. – 15. Jahrhundert datiert werden. Eine weitere Grube mit Brandschutt, datiert auf etwa 1400, könnte auf den großen Stadtbrand von Friedberg im Jahre 1447 hinweisen.

Blick auf das Grabungsgelände des ehemaligen Spitals " Zum Heiligen Geist " in der Usa-Vorstand am 18.3.2025. Foto: Achim Meisinger

Im zweiten Teil des Vortrags berichtete Marcus Jae aus Sicht der archäologischen Denkmalpflege von den Grabungen im Frühjahr 2025 im Bereich der Usa-Vorstadt. Anhand zahlreicher historischer Karten zeigte Jae die Lage der Heilig Geist Kapelle und der Hofareale des Spitals an der Usa. Besonders ein Stich von Merian aus dem Jahre 1646 und Gemälde von Hans Döring von 1553 und 1565 zeigen eindrucksvoll die damalige Situation. Bereits 1305 fand das Spital zum Heiligen Geist als Armenhaus der Stadt Friedberg eine erste urkundliche Erwähnung. 1383 kam es zu einem Brand des Spitals, das erst 1608 erneuert werden konnte. Nach einer erneuten Einäscherung 1636 kam es zwischen 1650 und 1694 zum Ausbau des Hospitals und zu einem Neubau der Kirchenanlage. 1790/ 1791 wurde die Anlage als Pferdestall und Magazin genutzt und das Spital und deren Kirche schließlich aufgegeben. Die gesamte Anlage wurde 1964 abgerissen. Im Rahmen der Ausgrabungen wurden sämtliche Fundamente erneut aufgedeckt und erfasst, wobei zahlreiche Gebäudestrukturen wie Pfeiler aus Backsteinen, Brunnen sowie historische Fußböden nachgewiesen werden konnten. In der abschließenden Diskussion wurde seitens der Zuhörer die Frage erörtert, inwieweit im Zuge des Baus des Rosentalviaduktes im Bereich der Usa Vorstadt großflächige bauliche Veränderungen vorgenommen wurden. Die Zuhörer dankten den Referenten für einen hoch interessanten Abend mit lang anhaltendem Applaus.

Achim Meisinger

Vgl. Wetterauer Zeitung 17.12.2025