Letzte Studienfahrt des Geschichtsvereins mit Hans Wolf
Die erste der beiden diesjährigen Eintagesexkursionen des Friedberger Geschichtsvereins führte am 21. Juni 2025 nach Osthessen. Die Studienfahrt war für den Geschichtsverein selbst ein historisches Ereignis: Zum letzten Male gestaltete und führte der langjährige 1. Vorsitzende und nunmehrige Ehrenvorsitzende Hans Wolf die Gruppe des Geschichtsvereins.
Hans Wolf leitete die Mehrtagesfahrten von 1977 bis 2019 und noch länger, nämlich von 1972 bis 2025, stellte er sein umfangreiches Wissen und seine beispielgebende Fähigkeit, historische Ereignisse und Zusammenhänge interessant zu vermitteln, für Tagesexkursionen zur Verfügung. Es war deshalb keine Überraschung, dass sich für diese letzte Fahrt fast 50 Teilnehmer anmeldeten, um von Hans Wolf als Fahrtenleiter Abschied zu nehmen.
Die Reise ging an Alsfeld vorbei über die frühere Verbindung zwischen Frankfurt und Leipzig, „Die Kurzen Hessen“, zum ersten Programmpunkt, der Burg Herzberg. Diese größte Höhenburg Hessens stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde, als sie im späten 15. Jahrhundert in den Besitz der Herren von Dörnberg gelangte, von dem seinerzeit bedeutenden Militärbaumeister, Hans Jakob von Ettlingen, zur Festung umgestaltet.
Bereits zuvor hatte der in den Diensten des hessischen Landgrafen stehende Baumeister auch die Wasserburg Friedewald (zuerst 1312 erwähnt) in der Nähe von Heringen zur Festung neu ausgebaut. Die Friedberger Gruppe warf allerdings auf die seit 1762 nach Beschuss durch französische Truppen als Ruine dastehende Anlage nur einen kurzen Blick. Auf dem weiteren Weg ging es zu einem mit „Nadelöhr“ benannten niedrigen Steinbogen in der Nähe des gleichnamigen Parkplatzes an der Autobahn A4. Wie Hans Wolf aufklärte, ließ Landgraf Moritz zu Hessen den Steinbogen im späten 16. Jahrhundert errichten. Nach der Sage konnten Reisende, die hier hindurchkrochen, auf die Heilung von Krankheiten hoffen. Der 1. Vereinsvorsitzende, Lothar Kreuzer, zwängte sich an diesem Tag höchstselbst durch die nur 60 cm weite Öffnung.
Weiter ging es nach Philippsthal, wo sich Landgraf Philipp von Hessen-Philippsthal 1685 auf den Resten eines Benediktinerinnenklosters ein Schloss erbauen ließ. In der Gegenwart ist der Ort unmittelbar an der Landesgrenze zu Thüringen durch den seit 1905 betriebenen Kaliabbau bekannt, dessen mächtige weiße Abraumhalde schon von Weitem sichtbar ist.
Achim Meisinger erläuterte aus geologischer Sicht den chemischen und wirtschaftlichen Hintergrund: das in zwei untertägigen Flözen liegende Kalium- und Magnesiumgestein wird abgebaut und zu Dünger verarbeitet, während das anfallende NaCL (Kochsalz) nicht wirtschaftlich sinnvoll von seinen Ton- und Basaltanteilen gereinigt werden kann und als Abraum gelagert wird.
Nach dem Mittagessen sucht die Friedberger Gruppe als Schwerpunkt der Studienfahrt die Mahn- und Gedenkstätte „Point Alpha“ an der ehemaligen Grenze zur DDR auf. Auf der Anfahrt berichtete einer der Teilnehmer über seine Erfahrungen als damaliger Angehöriger der DDR-Grenztruppe bei der Sicherung der Grenze, die in erster Linie die Flucht in den Westen zu verhindern hatte. Im „Haus auf der Grenze“ gab es zunächst eine Führung zu den Themen „Kalter Krieg“ und „Maßnahmen der Grenzsicherung“.
Anschließend wurden im Außengelände nachgebaute Sicherungsmittel wie Schlagbäume, Zäune und Wachtürme und der vom US-Militär errichtete Beobachtungsstützpunkt der US-Army „OP Alpha“ aufgesucht, von dem wie von drei weiteren Punkten an der innerdeutschen Grenze von 1968 bis zur Wiedervereinigung etwaige militärische Aktivitäten auf der östlichen Seite der Grenze beobachtete wurden.
Die letzte Station der Studienfahrt war Rasdorf mit seiner dreischiffigen Basilika aus dem späten 13. Jahrhundert. Aus einer bis ins Frühmittelalter zurückreichenden Vorgängerkirche wurden im Langhaus acht Kapitelle übernommen, die ins 9. bis 12. Jahrhundert zu datieren sind. Am Ende der Exkursion dankte der 1. Vorsitzende Lothar Kreuzer Hans Wolf für diese und die vielen vorangegangenen gelungenen Veranstaltungen.
Reinhard Schartl
Vgl. Wetterauer Zeitung 07.07.2025