1000 Jahre Bruchenbrücken in Szene gesetzt

Podiumsgespräch beim Friedberger Geschichtsverein

Dorfstraße mit der Evangelischen Kirche in vergangen Zeiten (Foto: G. Dietrich).

In der vergangenen Woche hat der Friedberger Geschichtsverein anlässlich der anstehenden 1000- Jahr-Feier von Bruchenbrücken eine Gesprächsrunde mit Vertretern des neu gegründeten Vereins “Miteinander für Bruchenbrücken” durchgeführt. Vor einer Rekordkulisse von mehr als 100 Zuhörern begrüßte der Vorsitzende Lothar Kreuzer zu Beginn Bürgermeister Kjetil Dahlhaus und den Amtsleiter für soziale und kulturelle Dienste und Einrichtungen Lukas Hölzinger. Dem Vorstandsmitglied des Geschichtsvereins Joachim Meißner gelang es als Moderator der Veranstaltung in Form einer lebendigen Gesprächsrunde im Austausch mit Bruchenbrückenen Bürgern Aspekte der Dorfgeschichte heraus zu stellen. Dabei sorgte er gleich zu Beginn für Erheiterung, als klar wurde, dass Bruchbrückens Ersterwähnung nicht unbedingt in das Jahr 1026 fällt, sondern im Zeitraum zwischen 1021 und 1039 stattgefunden haben muss. Ein Mönch Eberhardt des Reichsklosters Fulda hatte damals eine umfangreiche Sammlung von Urkunden und Besitzverzeichnissen (Codex Eberhardi) angelegt, in denen Bruchenbrücken erwähnt wurde. Trotz der “schiefen Quellenlage” entschied man sich, die Feier in 2026 auszurichten. Innerhalb kürzester Zeit konnte unter Mitarbeit von Stadtarchivar Lutz Schneider eine umfangreiche Dorfchronik erarbeitet werden, an der 7 Autoren tatkräftig seit 2024 beteiligt waren. Auf 650 Seiten werden 120 Themen mit 250 Fotos zur Dorfgeschichte behandelt. Besonders stolz ist man in Bruchenbrücken auf den Theologen und Reformator Erasmus Alberus, der angeblich um 1500 hier geboren sein soll und 1553 in Neubrandenburg verstorben ist. Sein Vater war jedenfalls katholischer Pfarrer in Bruchenbrücken, so dass der Ort als Geburtsort nach heutigem Kenntnisstand zutreffend ist. Erasmus Alberus kann als ein außergewöhnlicher und vielseitiger Mensch angesehen werden, da er zugleich als Fabeldichter, Komponist und Theologe tätig war. Insbesondere für die Reformation hatte er große Bedeutung und schloss sich seinem Doktorvater Martin Luther in Wittenberg an.

Als ortsbildprägend muss die “Dorfmühle am Steg” bezeichnet werden, der in der Chronik ein Kapitel gewidmet ist. Bis heute ungeklärt ist eine Bruchsteinmauer im Bereich der Mühle, deren Tordurchlass immer wieder Anlass zu zahlreichen Spekulationen gibt. Die Bruchenbrückener Mühle stellt die älteste Mühle an der Wetter in unserer Region dar und wurde als Walzenmühle zur Getreideproduktion genutzt. Bis 1972 war die Mühle in Betrieb. Neben der Mühle gab es auch ein Wohnhaus, Backhaus sowie Stallungen, denn der Müller betrieb zusätzlich noch eine kleine Landwirtschaft. Der ehemalige Mühlstein in der Hauswand hält auch heute noch die Vergangenheit und das historische Erbe wach.

Podium mit Frau Graefen und Herrn Gröschl vom Verein "Gemeinsam für Bruchenbrücken" sowie Moderator Joachim Meißner vom Friedberger Geschichtsverein (Mitte) im vollbesetzten Klosterbau (Foto: S. Lauer).

Zum Ausklang der Gesprächsrunde wurde die kleine jüdische Gemeinde Bruchenbrückens behandelt, die seit dem 17. Jahrhundert nachweisbar ist. Über die Grenzen des Ortes hinaus erlangte die Familie Rappolt Berühmtheit. Der 1835 geborenen Joseph Rappolt wurde mit 26 Jahren von seiner Familie nach Hamburg geschickt, und gründete mit einem Startkapital von 300 Gulden das Unternehmen “Oppenheim & Rappolt”. Die Firma fertigte qualitativ hochwertige Regenmäntel. Nach 1897 firmierte das Unternehmen unter den Namen “ Rappolt & Söhne”. Es existierte bis 1982 als “ERES”. Seit 1912 befand sich der Firmensitz in der berühmten Mönkebergstraße 11 in einem Backsteinhaus, das auch heute noch die noble Einkaufsmeile in Hamburg prägt.1938 mussten Rappholts ihre Firma unter gr0ßem Druck des NS-Regimes verkaufen. Den jüngeren Familienmitgliedern gelang die Flucht nach Amerika durch rechtzeitige Emigration. Die Älteren wählten den Freitod, andere wurden schließlich in Thereisienstadt ermordet.

Die Chronik gibt es ab dem 29.Mai 2026 im Rahen einer feierlichen Auftaktveranstaltung in der Kirche zu kaufen. Die Festwoche findet vom 12. - 14. Juni 2026 statt. Man darf gespannt sein, was die Bruchenbrückener dann auf ihrer Festmeile in der Ortsmitte auf die Beine stellen werden.

Die Zuhörer dankten den Akteuren mit lang anhaltendem Applaus. Im Anschluss der Veranstaltung fand die Jahreshauptversammlung des Friedberger Geschichtsvereins statt.

Achim Meisinger

Vgl. Wetterauer Zeitung 23. März 2026