Gabriele Freyer: Amerikanische Spuren in Bad Nauheim

In einer Zeit, in der die transatlantischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika im Blickpunkt stehen, kann ein historischer Vortrag über den Aufenthalt von US-Amerikanern in Bad Nauheim mit besonderem Interesse rechnen, da die Amerikaner die Stadtgeschichte nicht unwesentlich mitgeprägt haben. Die Bad Nauheimer Gästeführerin Gabriele Freyer begab sich auf Spurensuche und stellte beim Friedberger Geschichtsverein ihre Ergebnisse vor. Sie startete mit dem ersten nordamerikanischen Kurgast, der in den Kurlisten von 1850 verzeichnet ist. Er konnte die seit 1835 existierende Solbadeanstalt und das 1849 erbaute erste Badehaus nutzen.

Gabriele Freyer

Frau Freyer recherchierte, wie die Amerikaner auf Nauheim aufmerksam wurden. Einen großen Anteil hatten die in der Kurstadt wirkenden Ärzte wie Friedrich Wilhelm Beneke, der als Brunnenarzt in den Sommermonaten ausländische Patienten behandelte, wie August und Theodor Schott, Isidor Mayer und Franz Groedel, die wissenschaftliche Aufsätze auf Englisch veröffentlichten, Vorträge hielten und zeitweise in Amerika praktizierten. Grödels Vater war Kurarzt der Kaiserin Victoria, er selbst leitete später das Kerckhoff-Institut selbst noch aus dem amerikanischen Exil. Bad Nauheim warb mit Inseraten in amerikanischen Zeitungen und wurde mit Auftritten auf Weltausstellungen, so 1904 in St. Louis, ein Weltbad.

Die Amerikaner stellten die größte nationale Gruppe unter den Kurgästen, darunter viel Prominenz: Die Eltern des 1933-1945 amtierenden US-Präsidenten Franklin Delano Roosevelt weilten mehrmals zur Kur. 1891 besuchte der Neunjährige in Bad Nauheim erstmals eine Schule. 1888 kurte Carl Schurz, 1848 Abgeordneter in der Paulskirche und später Innenminister in Washington. Seine Frau brachte die Idee des Kindergartens nach Amerika. 1892 weilte Mark Twain in der Badestadt. Kurz nach der Jahrhundertwende kamen Grace Wilson Vanderbilt, die Gattin des amerikanischen Eisenbahnindustriellen, und William Waldorf Astor, Gründer des bekannten Hotels in New York. Im 1912 errichteten Grand-Hotel weilte der Schwimm-Olympiasieger und spätere Tarzan-Darsteller Johnny Weissmüller. Durch aussagekräftige Bilder aus der Zeit stellte Frau Freyer auch einen Bezug zum Wirken der berühmten Gäste in ihrer amerikanischen Heimat her.

Aufgrund des 1. Weltkrieges blieben schlagartig die Gäste aus Übersee aus, die Hotels wurden in Lazarette umfunktioniert. Später kehrten die amerikanischen Gäste zurück. In den 20er Jahren weilte William G. Kerckhoff mit Ehefrau Louise E. wiederholt in der Stadt. Nach seinem Tod finanzierte seine Witwe mit eigenem Geld die Gründung der von ihrem Mann angedachten Stiftung eines medizinischen Instituts. Der Medienzar Hearst, der 1931 mit dem Stummfilmstar Marion Davies im Grand-Hotel residierte, berichtete zuhause im Sinne der Nationalsozialisten über Deutschland. Der Strumpf-Millionär Gustav Oberländer unterstützte die Rekonstruktion des Limes-Turms auf dem Gaulskopf.

Im 2. Weltkrieg mussten die Hotels schrittweise schließen. Nach der Kriegserklärung Deutschlands gegenüber den Vereinigten Staaten wurden Ende 1941 im Grand-Hotel für mehrere Monate Angehörige der US-Botschaft und amerikanische Journalisten interniert. Möglicherweise verdankt Bad Nauheim den Beziehungen zu Amerika die vergleichsweise wenigen Angriffe. Ein gezielter Abwurf zerstörte 1944 das Kurhaus.

Nach Kriegsende wurde die XV. US-Armee nach Friedberg und Bad Nauheim verlegt. General Patton ordnete an, 800 Offiziere und 5.000 Mannschaftssoldaten innerhalb weniger Stunden einzuquartieren. Ende 1945 ließ Colonel Knight in 100 Tagen das Eisstadion am großen Teich errichten, um den Soldaten sinnvolle Freizeitbetätigung zu bieten. Aus Furcht vor Bränden wurde die heute noch bestehende Berufsfeuerwehr gegründet. Von Bad Nauheim aus startete die amerikanische Besatzung den Aufbau von Funk und Presse. 1949 zog die XV. Armee wieder ab. Die in Friedberg stationierten Soldaten wurden zum großen Teil ab 1954 mit Familien in der neuerrichteten Siedlung gegenüber dem Großen Teich untergebracht. In Friedberg war in den Jahren 1958-60 Elvis Presley stationiert. Er wohnte aber in Bad Nauheim, am längsten in der Goethestraße. Seine Spuren sind in der Badestadt sehr präsent.

Reinhard Schartl

Vgl. Wetterauer Zeitung 12. Februar 2026