Tagesfahrt Ladenburg und Schwetzingen

Der Friedberger Geschichtsverein besuchte auf seiner Tagesfahrt des ersten Halbjahres mit Ladenburg und Schwetzingen zwei attraktive Städte im Rhein-Neckar-Dreieck. Beide Ziele, die Römer- und Bischofsstadt Ladenburg und der Schlossgarten der kurpfälzischen Sommerresidenz, erlebte die Gruppe bei kompetenten und lebendigen Führungen.

Prächtiges Fachwerk am Marktplatz von Ladenburg.

Ladenburg am Neckar, schon frühgeschichtlich und von den Kelten besiedelt, wurde als Kastellort Lopodunum im Jahr 98 von Kaiser Trajan zum Hauptort der Neckarsueben. Im Zuge des Rathaus-Neubaus wurden unter der Leitung des Archäologen Heukemes und mit Unterstützung der Bürgermeister die römische Stadtmauer freigelegt, die Mauerreste und Umrisse der riesigen Marktbasilika gesichert, herausragende Funde als Kopien im Stadtbild platziert und im Museum, dem ehemaligen Bischofshof, ausgestellt. Hervorragend ist der Erhaltungszustand eines Wandfreskos im Hause des Präfekten am Forum. Die Altstadt beeindruckt neben ihren beiden Kirchen durch den großen Bestand an gut erhaltenen Fachwerkbauten, teils vom Beginn des 16. Jahrhunderts. Seit die Franken 628 eine Schenkung an die Wormser Bischöfe vornahmen, hielten diese bis 1709 auch als spätere Herren des Lobdengaus Ladenburg als Sommer- oder Nebenresidenz. Mit den pfälzischen Kurfürsten gab es immer wieder Konflikte. Wichtige Ereignisse der jüngeren Geschichte sind der Kampf an der Eisenbahnbrücke im Revolutionsjahr 1849, der Betrieb des Wasserturms bis 1991, und die Ansiedlung von Carl Benz, der am Firmensitz Haus, Garten und die wehrbauartige Garage mit Arbeitszimmer, Dachterrasse und Neckarblick errichten ließ.

Im Schwetzinger Schlosspark.

Im 776 erstmals erwähnten Schwetzingen ist erster Besitz der Pfalzgrafen aus dem Hause Wittelsbach für 1288 nachgewiesen. Aus dem ehemaligen Wasserschloss entstand v.a. im Auftrag des aufgeklärten Herrschers Carl Theodor ab 1743 im goldenen Zeitalter der Kurpfalz der Schlossbau als Sommerresidenz in der Sichtachse vom Königsstuhl bei Heidelberg zum Kalmit im Pfälzer Wald. Auch für die Öffentlichkeit war das Prunkstück zugänglich: der 72 ha große, erst im geometrisch klaren französischen Stil angelegte, später im englischen geschwungenen Stil künstlich erweiterte Garten. Mit dem Prinzip, die Natur in ihrer Schönheit und Vollkommenheit zur Geltung zu bringen, begeistert Bebauung und Bepflanzung den Besucher, ob Zirkelbauten, Theater, Kreisparterre und Laubengänge oder in gleichem Abstand stehende Pflanzen und Bäume, thematisch unterschiedliche Gärten und Blickachsen. Man eiferte dem Vorbild Versailles nach mit Wasserspielen, mythologischen Anspielungen, der künstlichen Ruine des Minerva-Tempels, der märchenhaften Moschee oder dem erhöht liegenden Rundbau für den Lichtgott Apollo. In der Orangerie konnten bis zu 2000 Orangenbäume überwintern. Ein idealer Rückzugsort für den Herrscher Carl Theodor, wenn von April bis Oktober der Hofstaat mit ca. 1500 Personen in Schwetzingern weilte. Ihm war es nicht wie der Reisegruppe des Friedberger Geschichtsvereins vergönnt, das eindrucksvolle Ambiente des Schlossplatzes bei Spargel und sommerlichen Temperaturen zu genießen.

Der Märchendom in den Feengrotten (Foto: Achim Meisinger).

Lothar Kreuzer

Vgl. Wetterauer Zeitung 01. Juli 2026